Skizzen 1

… ihr Aufzeichner menschlicher Begebenheiten, was gilt es, bei eben erzählter Begebenheit stand in zwölf Zeitungsblättern: »Den und den Tag ward gerichtet N. N.! Er hatte liederlich sein ganzes Vermögen verschwendet und dann seine Frau umgebracht.« Kein unwahres Wort, und doch jedes so falsch!

Die hier gelesenen Kriminalfälle sind alle wahre Begebenheiten. August Gottlieb Meißner hat sie gesammelt, (1796 veröffentlicht) wie später seine deutschen Kollegen Volkslieder und Märchen. Und er hat sie erweitert. Er gibt den Protagonisten aus den Gerichtsfällen und Zeitungsberichten so etwas wie Würde und Tiefe. Zum ersten Mal werden Opfer und Täter aus psychologischen und sozialen Kategorien betrachtet.

Die Geschichten fordern zur Empathie gegenüber unseren gestrauchelten Mitbürgern auf und waren seinerzeit Bestseller. Meißner ist der erste deutsche „Krimiautor“.

Dabei sind die Geschichten angenehm schlank und uneitel. Mit der deutschen Sprache weiß er sehr gut umzugehen. Er hat sich von jeder romantisierenden Darstellung der Taten und Geschichten der Verbrecher distanziert. Im Gegenteil, je realistischer der Blick auf die Kriminellen und ihre Opfer ist, um so humaner und richtiger wird das Urteil ausfallen.

Er ist der Pionier des Genres aber seine ähnlichsten Nachfolger sind Heinrich von Kleist und Ferdinand von Schirach.

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